FOTOGRAFIE ALS WAFFE – FOTOGRAFIE ALS KUNST (2008–2009)
mit einem Vorwort von Dr. Enno Kaufhold
Ich gebe zu, vielleicht habe ich Tausende Menschen getötet, aber nicht direkt. Es war ein Resultat der Fotos. Lynndie England, Stern-Interview März 2008
Aber was soll sonst auf die Leinwand? Insofern warte ich schon jetzt auf eine entspannte Sommerkollektion und eine Koloritaufhellung. Neo Rauch, FAZnet-Interview, Juli 2008
Fotografie kann also töten. Und zugleich kann Kunst Werke hervorbringen, die hinsichtlich ihrer Belanglosigkeit mit den gleichnamigen Kollektionen der Modeindustrie leidenschaftslos konkurrieren. Während Fotografie auf der einen Seite demnach sinnbildlich zur Waffe wird, ordnet sich die Kunst auf der anderen Seite dem Diktat der Labels unter und will nicht mehr als auch nur kommerziell erfolgreich sein. In diesem Spannungsfeld war der Projektkurs „Fotografie als Waffe – Fotografie als Kunst“ angesiedelt.
Die zentralen Fragen lauteten:
Ist es angesichts der heutigen Bilderflut überhaupt noch möglich, Fotografie als Waffe zu gebrauchen, und wenn ja, unterscheidet sich diese Bildsprache überhaupt von künstlerischen Ausdrucksweisen?
Sind andererseits bewusst künstlerisch intendierte Fotografien nicht bedeutender im Hinblick auf eine allgemeine Bildaussage, im Gegensatz zur Reduktion auf ihre subjektiven Gehalte?
Entlang dieser Fragestellungen wurde der Versuch unternommen, die heute vielfältig anzutreffende Sprachlosigkeit und oft nur dem Zeitgeist geschuldete Trendästhetik moderner Bildproduktion zu durchbrechen, um an deren Stelle einen konkreten Inhalt, ein persönliches Anliegen oder einfach nur das Postulat zu stellen: ja, ich habe etwas zu zeigen, ja, ich habe etwas zu sagen.
Ob das gelungen ist, mögen die BesucherInnen der Ausstellung und die LeserInnen dieses Katalogs entscheiden. Für alle Teilnehmenden indes war die Auseinandersetzung mit den fototheoretischen und historischen Aspekten des Kursthemas, sowie das Ringen um die Qualität der eigenen fotografischen Arbeit ein ebenso schwieriger wie am Ende erfolgreicher Prozess. Dass dabei, quasi en passent, die Grundlagen der Kataloggestaltung sowie wichtige Aspekte des Projekt- und Eventmanagements behandelt wurden, lässt das weite Spektrum der Inhalte dieses Kurses erahnen.
Ich danke allen Teilnehmenden für ihre Bereitschaft, sich diesem nicht eben einfachen Thema zu stellen, und insbesondere danke ich ihnen für ihr Engagement, mit dem sie auch über schwierige Phasen dieses Projekts fachliche und soziale Kompetenz bewiesen haben. Zu danken ist auch der Volkshochschule Friedrichshain- Kreuzberg für die organisatorische Mithilfe, mein besonderer Dank gilt Peter Held (Programmbereichsleiter Fotografie) für seine stetige und wohlwollende Unterstützung. Ferner möchte ich Volker Oppmann – zunächst selbst Teilnehmer an dem Projektkurs – für seine spontane Begeisterung danken, das Projekt als Buch zu publizieren, ebenso Enno Kaufhold für seine Bereitschaft, den Einführungstext zu diesem Thema zu verfassen. Last but not least danke ich allen unseren Sponsoren für ihre Unterstützung, ohne die wir viele Dinge so nicht geschafft hätten.
Peter Fischer-Piel, Oktober 2008
